Copacabana-Flash # 13

Alltags-Geschichten von der
Copacabana (2)

Der einsame Kampf des Paulo Ricardo Paúl
Oberst der Policia Militar (PMERJ)

Die Policia Militar (nein, das ist nicht die Militär-Polizei,
wie man vermuten könnte), es ist die örtliche Polizei-
Organisation der Kommunen. Bedienstete in Uniform, die
hier in Rio einen nicht ganz ungefährlichen Beruf ausüben!


Rio wird sich in den kommenden Jahren verändern - denn die
Fussball-Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele
2016 verlangen von der Stadtverwaltung in sämtlichen Bereichen
alles ab! Handeln ist angesagt und das nicht zuletzt im Sektor
Sicherheit!


Coronel Paúl mit dem Bürgermeister von Rio de
Janeiro Eduardo Paes


Und hier sehen viele Bürger ein grosses Problem: Die Motivation
der Polizei-Beamten, die für BR$ 30,00 pro Tag vielfach ihr
Leben riskieren, ist nicht besonders hoch!

Das hat auch Coronel Paulo Ricardo Paúl erkannt, der u.a.
auch für die öffentliche Sicherheit zuständig ist.


Coronel der PMERJ - Paulo Ricardo Paúl

Er liegt schon seit einiger Zeit mit dem politisch Verantwortlichen
in diesem Bereich, Governador Sérgio Cabral (PMDB), im Clinch!


Sérgio Cabral

Um seine Forderungen explizit zu unterstreichen orientiert
Coronel Paùl nun die Öffentlichkeit über die Missstände..

Seit 2007 bis heute verloren alleine durch sog. „Balas perdidas“
(zu deutsch „verirrte Kugeln“) 151 Beamte ihr Leben!

In der gleichen Zeitspanne wurden auch 1330 unbeteiligte Bürger
(Frauen, Männer, Kinder) das Opfer von Schiessereien.
Zahlen, die man sich in Europa kaum verstellen kann!

Und der Coronel befürchtet nun, dass sich diese Probleme bis
zu den beiden Grossereignissen nicht beilegen lassen. Paul
Ricardo ist ein mutiger Mann! Ganz alleine und auf sich selber
gestellt macht er Öffentlichkeits-Arbeit.

Z.B. wirbt er mit Spruchbändern an der Copacabana, organisiert
Protestumzüge, versendet einen speziellen Newsletter und führt
auch ein Internet-Blog, das jeden Tag aktualisiert wird.







Ein weiteres Anliegen von Coronel Paúl ist das polizeieigene
Krankenhaus.

Er sagte mir wörtlich:“Das Krankenhaus der Militärpolizei und
ihrer Angehörigen (die Familienmitglieder der Polizisten haben
in diesem Hospital ebenfalls Berechtigung für unentgeltliche,
medizinische Versorgung!) sind ernsthaft beeinträchtigt, da die
fehlenden Finanzleistungen der Stadt eine Verschlechterung für
die medizinische Betreung der Kranken, bis hin zum Risiko des
Todes, bedeuten.

Die Operationen sind ausgesetzt, und die Termine auf Monate
hinausgeschoben! Darüber hinaus werden die Kosten durch
Gouverneur Sérgio Cabral einfach nicht bezahlt!

Die Situation ist beängstigend, denn es sind Leben durch die
Vernachlässigung der Regierung in Gefahr. Der Hauptgrund für
diese Krise sind die Ausstände in der Zahlungsverpflichtung der
Regierung, die bereits mit über BR$ 150.000.000,00 (also
ungefähr 88 Mio CHF) zu Buche stehen.

Bis bald wieder! 

Euer BrasilienRené